" El Paraiso"
Inszenierung
Die Inszenierung der kompanie tanzwerk "El Paraiso" zeichnet eine düstere Allegorie auf die Schatten der Globalisierung. Sie behandelt die brisanten Themen europäische Immigration, nationalen Rassismus und den Konflikt der Kulturen. "El Paraiso" erzählt von den physischen und psychischen Auswirkungen industrieller Ausbeutung unseres liberal-demokratischen Europas gegen seinen ausländischen Lohnarbeitern.
Die Inszenierung El Paraiso berichtet ferner live aus der Welt des Hochadels hiesiger Wochenmärkte: von der spanischen Wassermelone "Reina de Corazones", der "Königin der Herzen", die mit ihrem leuchtend roten Fruchtfleisch die Käufer wie Fliegen anzieht: süß, saftig, sommerfruchtig - und dabei so lange haltbar - und die doch nichts lieber als ein bißchen billiger wäre.
Schließlich erzählt "El Paraiso" die Geschichte von Abderrazak, dem marrokanischen Landarbeiter, der im Schlauchboot die Meerenge von Gibraltar überquerte, für Arbeitsstrich und Drangsalierungen, für Apartheid und Schufterei bei 50° unter Plastik, für das Schlafen in einer schimmelnden Gerätehütte. Der, weil er etwas Geld verdienen wollte, zum Mörder wird. Dessen tragische Suche nach ein bisschen Glück in der Katastrophe endete und zum Auslöser für eine größere wurde.
"El Paraiso" dreht die Perspektive herum und erzählt aus der Sicht der Anderen, der Fremden, aus der Sicht Marokkos - Europa ist das Gegenüber.
West- und Mittel-Europa leben in vergleichsweise harmonisch-wattierten Zuständen. Aber was wächst da in den Gewächshäusern der europäischen Phantasie heran, was blüht uns, was wartet noch schlafend, an den Rändern des europäischen Kontinents? Unsere eigene Angst vor den Träumen der Anderen.
"El Paraiso " spielt in einer Twilight Zone – einer mentalen, gesellschaftlichen, politischen, moralischen, rechtlichen Grauzone, in einer dämmrigen Zone des Zwielichts. Hier werden Tabus und Grenzen überschritten, zwischen Recht und Moral, zwischen Menschlichkeit und Barbarei, aber auch zwischen der Wirklichkeit und dem Reich des Imaginären, zwischen Humanem, Animalischen, Totem und Lebendigem.
Ein Stück über Verflechtungen, Abhängigkeiten, und globale Gutenacht-Seiten:
CLASH OF CULTURE
Umsetzung
Zu Beginn der Umsetzung stehen die Transkription der Recherche- und Zeitungsartikel über die El Ejido-Pogrome in ein Libretto für Tanz, Lyrik und Musik. Später stehen die Herausschälung von spiel- und tanzbaren Farben – Sprechfiguren, Motive, Solis, Duos, Gruppen an sowie die Anbindung von musikalischem Boden und Arrangements. Die Bewegungsprinzipien suchen den Kontrast zwischen der schweißigen Erntearbeit, Aggressions- und Angst-Reflexen sowie (alp)traum- haften Impulsen.
Um kein bloßes Historiendrama entstehen zu lassen, bedient sich „El Paraiso“ bei Mitteln des phantastischen Spiel- und Fernsehfilms, genauer der Twilight-Zone-Serie Amerikas, in der die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen. Auch in weiteren theatralen Mitteln bedient sich "El Paraiso" bei filmischen Anleihen: im Rahmen der Beleuchtung schaffen Licht- und Schatteneffekte überwiegend enge klaustrophobische, düstere Räume – im scharfen Kontrast zur Weite der andalusischen Felder. Die wichtigste Regel des Genre: aus der Dunkelheit kommt der Schrecken. Aber manche Pogrome dauern drei Tage und drei Nächte. Und dann kommt der Schrecken auch aus dem Hellen.
Premiere: 12.03. 2005 21:30 h / Güterbahnhof Tor 48 - Junges Theater Bremen / Festival TANZeuropa
Besetzung
kompanie tanzwerk
"El Paraiso"
Projektleitung/Regie/Choreographie
Rolf Hammes / Kevin Young
Tanz
Bettina Havers
Anne-Katrin Ortmann
Iñaki Bustamante
Daniel Drabek
Oren Lazovski
Rocco Schelletter
Kontakt
Rolf Hammes
kompanie tanzwerk
Lagerhaus • Schildstr. 12-19
D-28203 Bremen
info@tanzwerk-bremen.de
www.tanzwerk-bremen.de